Ich schaffe nicht alles gleichzeitig gut. Und das ist okay.
Manches schaffe ich gar nicht. Und das tut manchmal ganz schön weh.
Ich sage das nicht, um Mitleid zu bekommen. Ich sage das, weil ich glaube, dass es vielen Müttern in Führung genauso geht. Und weil ich glaube, dass wir aufhören sollten, uns dafür schlecht zu fühlen.
Wo meine Energie hinfließt
Mein Fokus liegt auf meiner Familie und meinem Job als Coachin und Trainerin. Viel meiner Energie fließt dorthin. Ich gebe mir große Mühe. Und ich glaube, das gelingt mir auch.
Was auf der Strecke bleibt, ist die Zeit für mich selbst. Da ist noch Luft nach oben. Aber ich bin auf einem guten Weg. Ich gehe wieder öfter zum Sport. Power Yoga und Pilates bringen meinen Körper zur Ruhe und damit auch meinen Geist. Und beim Essen will ich mehr auf mich achten, auch mittags, auch wenn ich alleine bin.
Zeit mit meinem Mann ist begrenzt, als Paar. Aber wir nutzen sie, wenn die Kids bei Oma sind.
Die Freundschaften, die leiser geworden sind
Die Beziehung zu meinen Freundinnen aufrechtzuerhalten, fällt mir schwer. Besonders offline. Wir schicken Sprachnachrichten und Fotos hin und her. Aber wir sehen uns viel zu selten.
Es ist nicht mein Wunsch. Trotzdem schaffe ich es einfach nicht, mich regelmäßig bei allen zu melden. Auch meine Familie sehe ich zu selten. Wir wohnen über ganz Deutschland verteilt. Das macht es nicht leicht.
Ich könnte mich mehr anstrengen. Öfter fahren. Aber das würde meine Batterie zu oft ins Minus bringen. Auch wenn mich die Besuche aufladen, kosten die Fahrten und das Packen mit den Kindern Kraft.
Aus manchen Freundschaften sind Bekanntschaften geworden. Bei einigen sind mir die Fäden komplett aus der Hand geglitten. Das macht mich manchmal traurig. Und trotzdem weiß ich: Diese Menschen sind nie aus meinem Herzen gegangen. Es gab keinen Streit. Ich musste priorisieren und mich bewusst entscheiden. Ich wählte weniger.
Veränderung annehmen statt festhalten
Jede Phase im Leben bringt Veränderung mit sich. Wichtig ist, dass wir uns darauf einlassen und nicht krampfhaft an alten Mustern festhalten.
Also nein, ich schaffe nicht alles gleichzeitig. Aber das ist okay. Weil ich bewusst gewählt habe. Einen Preis muss jeder irgendwie zahlen. Wichtig ist nur, dass man selbst entscheidet, wofür.
Was ich bei Müttern in Führung immer wieder sehe
Genau das erlebe ich auch bei vielen Müttern in Führung. Es ist nicht weniger Energie, es ist eine andere Verteilung und die Frage, wo sie bewusst hinfließt.
Die Frauen, mit denen ich arbeite, tragen oft ein schlechtes Gewissen mit sich herum. Für die Freundin, die sie zu selten anrufen. Für den Sport, der ausfällt. Für den Feierabend, der zur Bildschirmzeit mit den Kindern wird, statt zum Buch auf dem Sofa. Dabei liegt die eigentliche Aufgabe nicht darin, alles zu schaffen. Sie liegt darin, bewusst zu entscheiden, was gerade Vorrang hat und den Rest loszulassen, ohne sich dafür zu verurteilen.
Das ist keine Schwäche. Das ist Führung. Auch im eigenen Leben.
Wie ich mit meinen Kundinnen daran arbeite
Genau hier setze ich in meiner Arbeit an. Zuerst schauen wir gemeinsam auf die Rollen, die eine Frau gerade trägt. Als Führungskraft, als Mutter, als Partnerin, als Freundin, als Tochter. Oft wird erst dabei sichtbar, wie viele Rollen gleichzeitig Anspruch auf dieselbe begrenzte Energie erheben.
Danach fragen wir, wo die Energie tatsächlich hinfließt. Nicht wo sie hinfließen sollte, sondern wo sie wirklich landet. Diese Klarheit ist oft der erste Schritt, weil sie zeigt, an welchen Stellen der Anspruch und die Realität auseinanderlaufen.
Erst auf dieser Grundlage können wir bewusst entscheiden, was gerade priorisiert wird. Und was für eine Weile zurückstehen darf, ohne dass daraus ein schlechtes Gewissen entsteht.
Dieses Bewusstsein verändert etwas Grundlegendes. Es schafft Ruhe, wo vorher Stress war. Nicht weil sich weniger Aufgaben auf dem Tisch stapeln, sondern weil klar ist, warum jede einzelne Entscheidung getroffen wurde.
Wo hast du zuletzt bewusst etwas zurückgestellt, obwohl es wehgetan hat?