Meine Führungserfahrung hat geprägt, wie ich heute als Mutter bin

Zwölf Jahre habe ich in Führung und HR gearbeitet, unter anderem als HR Area Managerin in einem Großkonzern mit Verantwortung für die Entwicklung von 150 Führungskräften an 25 Standorten. Als ich Mutter wurde, dachte ich, ich würde diese Rolle irgendwann einfach hinter mir lassen und in eine neue, ganz andere Rolle hineinwachsen.

Heute weiß ich: Das stimmt so nicht.

Meine Systeme, meine Strategien, mein Verständnis dafür, wie unterschiedlich Menschen ticken, all das nutze ich heute auch im Familienalltag. Damit war ich als Führungskraft tagtäglich konfrontiert, und es ist nicht verschwunden, nur weil sich mein Titel geändert hat.

Was die Wissenschaft dazu sagt

Die Work-Family-Enrichment-Theorie von Greenhaus und Powell beschreibt genau diesen Effekt: Erfahrungen, Fähigkeiten und Ressourcen aus einer Lebensrolle können eine andere bereichern. In meinem Fall zeigt sich das als Work-to-Family-Enrichment, der Job bereichert die Familie, nicht nur umgekehrt.

In diesem Beitrag möchte ich auf genau diese Perspektive hinweisen. Nichtsdestotrotz hat mich die Mutterschaft mehr beeinflusst als umgekehrt, für mich ist das aber keine Schwächung, sondern eine Erweiterung meiner Kompetenzen. Genau diese Seite, wie der Job durch die Mutterschaft bereichert wird, wird seltener beleuchtet. Meistens wird nur erzählt, wie Mutterschaft Frauen im Job verändert, oft mit dem Unterton, dass dadurch etwas verloren geht. Deshalb lohnt sich hier der Blick in die andere Richtung: was durch Mutterschaft dazukommt, nicht was fehlt.

Und nein, Familie ist kein Unternehmen. Aber auch sie ist ein System, in dem ich unterschiedliche Rollen innehabe. Ein System, das Organisation, Kommunikation, Konfliktlösung und die Übernahme von Verantwortung erfordert, genau wie ein Team, das ich früher geführt habe.

Fünf Dinge aus meiner Führungserfahrung, die mir heute als Mutter besonders helfen

1. Einen klaren Rahmen setzen und darin Wachstum ermöglichen

Es gibt Grenzen und Regeln, die ich vorgebe. Innerhalb dieses Rahmens dürfen meine Kinder ausprobieren, eigene Entscheidungen treffen, Fehler machen und ihren eigenen Weg finden.

Ich muss nicht jeden Schritt vorgeben, damit am Ende etwas Gutes dabei herauskommt. Das war schon als Führungskraft mein wirksamstes Werkzeug, und es funktioniert am Küchentisch genauso.

2. Wichtiges von Unwichtigem trennen und feste Systeme nutzen

Der Mental Load steigt mit jedem Kind, und manchmal ist kaum noch zu jonglieren, wer wann wo sein muss, was die Kids brauchen und wer was übernimmt.

Ich versuche deshalb, möglichst wenig nur in meinem Kopf zu behalten. Mein Handy-Kalender ist mein bester Freund. Struktur hilft mir enorm, im Job und im Familienalltag.

3. Verantwortung abgeben und dann auch wirklich abgeben

Wenn Betreuung oder Aufgaben verteilt sind, versuche ich darauf zu vertrauen, dass andere ihren eigenen guten Weg finden.

Denn wenn ich trotzdem jeden Schritt kontrolliere, bleibt die Verantwortung am Ende doch bei mir. Delegieren heißt loslassen, nicht nur abgeben, das habe ich in der Führung gelernt, und es gilt zu Hause genauso.

4. Konflikte begleiten

Wenn sich meine beiden mal wieder um die Magnetsteine streiten, helfen mir tatsächlich Grundlagen, die ich schon aus meinem Corporate Job kenne:

Beide Seiten hören. Verstehen, worum es eigentlich geht. Nicht sofort entscheiden, wer recht hat. Und dann schauen, wie eine Lösung aussehen kann.

5. Spannungen aushalten, ohne sie sofort lösen zu müssen

Kinder dürfen frustriert sein. Ich begleite sie, je nach Alter und Situation. Aber ich muss nicht jedes unangenehme Gefühl sofort aus der Welt schaffen.

Das auszuhalten, musste ich auch als Führungskraft lernen, und es war eine der schwierigsten Lektionen überhaupt.

Fähigkeiten verschwinden nicht, nur weil wir die Rolle wechseln

Familie ist kein Unternehmen, und Kinder sind keine Mitarbeitenden. Das möchte ich nicht kleinreden.

Aber die Fähigkeiten, die wir in einer Rolle entwickeln, verschwinden nicht einfach, nur weil wir sie in einer anderen Rolle einsetzen. Sie werden Teil davon, wie wir denken und handeln, ganz gleich, ob im Meetingraum oder im Kinderzimmer.

Das ist auch der Kern dessen, was ich mit Müttern in meiner Arbeit erlebe: Sie bringen aus ihrer Führungserfahrung enorm viel mit, das ihnen als Mutter zugutekommt. Und umgekehrt bringt Mutterschaft Fähigkeiten mit, die im Job wertvoll sind. Beide Richtungen verdienen es, erzählt zu werden.

Wo merkst du, dass dein Job dich als Elternteil verändert hat, nicht umgekehrt?

Wenn du spürst, dass dir genau diese Fähigkeiten aus deiner Führungserfahrung gerade im Familienalltag verloren gehen oder du wieder klarer sehen willst, wie du sie als Mutter in Führung einsetzt, lass uns in einem kostenlosen Klarheitsgespräch darüber sprechen.

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Müttereinsamkeit: Warum sich Mütter allein fühlen und trotzdem nach Ruhe suchen