Karriere und Familie: Welchen Preis willst du als Mutter zahlen?

Mutterschaft macht Frauen nicht weniger karriereorientiert. Aber sie verändert für viele den Preis, den sie bereit sind, für ihre Karriere zu zahlen.

Ich glaube nicht an das Idealbild der Mutter, die regelmäßig selbst gebackenen Kuchen zum Kita-Buffet mitbringt, einen 40-Stunden-Job mit Führungsverantwortung rockt, nebenbei Pilates macht, regelmäßig Date-Nights einplant, ihre Freundinnen trifft und bei all dem auch noch entspannt bleibt.

All das dauerhaft auf demselben hohen Anspruch zu halten, ist schon ohne Kinder schwer.

Mit Kindern kommt eine mentale Beanspruchung dazu, die weit über die To-do-Liste hinausgeht. Denn Kinder zu begleiten, braucht mentale Energie.

Für ihre Fragen und Sorgen, für ihre Wut und ihre Freude. Und für all die kleinen Geschichten, die genau in dem Moment erzählt werden müssen, in dem man selbst eigentlich nur fünf Minuten Ruhe braucht.

Wenn du als Mutter in einer Führungsposition arbeitest, braucht auch dein Team Aufmerksamkeit. Für Fragen, Entscheidungen und Gespräche, die sich nicht einfach abhaken lassen. Du kannst einen Tag gut organisiert haben und am Ende trotzdem merken, dass kaum noch etwas von dir übrig ist.

Warum ist es so anstrengend, Karriere und Familie zu vereinbaren?

In der Forschung gibt es dafür den Begriff Work-Family-Conflict. Er beschreibt Konflikte, die entstehen, wenn Anforderungen aus Beruf und Familie miteinander in Spannung geraten.

Jeffrey Greenhaus und Nicholas Beutell unterscheiden in ihrem Modell unter anderem zeitbezogene und beanspruchungsbezogene Konflikte. Zeit, die eine Rolle braucht, fehlt für die andere. Und die Beanspruchung aus einem Lebensbereich kann es schwerer machen, den Anforderungen im anderen gerecht zu werden.

Auf den Alltag übertragen heißt das: Ein Meeting kann rechtzeitig enden und dich trotzdem bis zum Abend beschäftigen. Du hast Zeit, mit deinem Kind zu spielen, aber dein Kopf hängt noch in einem schwierigen Mitarbeitergespräch. Oder du sitzt morgens am Schreibtisch und merkst, wie viel Kraft die unruhige Nacht und die Sorgen um dein Kind gekostet haben.

Deshalb reicht der Blick auf den Kalender allein oft nicht aus. Ein freies Zeitfenster sagt noch wenig darüber, wie viel Aufmerksamkeit du gerade geben kannst.

Dazu kommt die Arbeit, die kaum jemand sieht. Die Soziologin Allison Daminger beschreibt die kognitive Dimension der Haus- und Familienarbeit: Bedürfnisse voraussehen, Möglichkeiten suchen, Entscheidungen treffen und nachhalten, ob alles funktioniert.

Das lässt sich an einem einfachen Beispiel zeigen: Der Arzttermin steht irgendwann im Kalender. Vorher musste jemand bemerken, dass er nötig ist, eine Praxis finden, einen Termin vereinbaren und die Betreuung organisieren. Danach muss jemand wissen, was besprochen wurde und was als Nächstes zu tun ist.

Auch diese Verantwortung läuft mit. Im Job, auf dem Heimweg und abends auf dem Sofa.

Welche Bedingungen machen Karriere mit Kindern möglich?

Ich kenne einige Frauen, die großartige Karrieren gemacht haben, auch alleinerziehende. Die Bedingungen, unter denen sie das geschafft haben, waren sehr unterschiedlich.

Verantwortung wurde mit einem Partner oder Ex-Partner geteilt, von der Familie und einem verlässlichen Netzwerk mitgetragen oder durch gute Betreuung und flexible Arbeitsbedingungen überhaupt erst organisierbar.

Andere mussten deutlich mehr allein auffangen.

Sie alle zeigen, dass Karriere und Familie miteinander vereinbar sind. Wie viel Kraft diese Vereinbarkeit kostet, hängt allerdings stark von den Bedingungen ab, unter denen eine Frau sie gestaltet.

Deshalb lohnt sich bei dem Gedanken „Andere schaffen das doch auch“ ein genauerer Blick. Wer übernimmt dort die Abholung, wenn ein Termin länger dauert? Wer bleibt zu Hause, wenn ein Kind krank ist? Und wie viel Verantwortung kann im Job tatsächlich abgegeben werden?

Auch die Arbeitsbedingungen gehören dazu. Eine Führungsrolle braucht Aufgaben und Erwartungen, die zur vereinbarten Arbeitszeit passen. Wenn die Verantwortung regelmäßig über diese Zeit hinausreicht, wird die Lücke irgendwo geschlossen. Oft im Feierabend oder auf Kosten der eigenen Erholung.

Darüber habe ich ausführlicher im Artikel „Wer 30 Stunden bezahlt, darf keine 40 Stunden Verantwortung erwarten“ geschrieben.

Wann wird der Preis für die Karriere zu hoch?

Damit beides Raum bekommt, müssen andere Ansprüche manchmal kleiner werden. Dann wird der Kuchen gekauft, die Freundin einmal im Quartal getroffen und nicht jeder Lebensbereich erhält gleichzeitig die volle Aufmerksamkeit.

Problematisch wird es, wenn dieser Preis unbemerkt immer größer wird. Wenn Erholung, Gesundheit und gemeinsame Momente dauerhaft hintenüberfallen oder die Mutter ganz selbstverständlich den größten Teil davon trägt.

Es gibt Wochen, in denen viel zusammenkommt. Ein wichtiges Projekt, ein krankes Kind, Termine, die sich nicht verschieben lassen. Aber wenn aus solchen Wochen der normale Alltag wird, lohnt es sich hinzuschauen.

Was fällt bei dir immer als Erstes weg, wenn es eng wird? Ist es dein Sport, deine Mittagspause, dein Schlaf oder die Zeit mit Menschen, die dir wichtig sind? Und hast du das bewusst so entschieden oder ist es einfach passiert?

Du musst dafür deine Karriere nicht grundsätzlich infrage stellen. Du kannst zunächst genauer benennen, was dich gerade so viel kostet. Die ständige Erreichbarkeit? Eine Rolle, die in deiner Arbeitszeit kaum zu schaffen ist? Die Verantwortung zu Hause? Oder dein eigener Anspruch, in jedem Bereich zuverlässig alles aufzufangen?

Je klarer du das benennen kannst, desto konkreter kannst du überlegen, was sich verändern müsste.

Muss ich als Mutter beruflich kürzertreten?

Mutterschaft kann eine Einladung sein, die eigenen Prioritäten bewusster zu wählen.

Die Antwort kann weiterhin eine anspruchsvolle Führungsposition sein, ein langsamerer nächster Karriereschritt oder der Mut, etwas Neues auszuprobieren.

Entscheidend ist, dass die Frau selbst weiß, wofür sie sich entscheidet und was sie dafür auf keinen Fall aufgeben möchte.

Das kann bedeuten, eine berufliche Chance anzunehmen und dafür andere Ansprüche bewusst kleiner zu machen. Es kann auch bedeuten, vor dem nächsten Schritt klare Bedingungen zu verhandeln. Wie wird die Rolle zugeschnitten? Welche Flexibilität brauchst du? Und wer trägt im Familienalltag welche Verantwortung?

Für deine Überlegungen können diese Fragen ein Anfang sein:

  • Was möchte ich beruflich weiterhin erreichen, weil es mir selbst wichtig ist?

  • Was kostet mich mein bisheriger Weg im Alltag tatsächlich?

  • Was möchte ich dafür auf keinen Fall dauerhaft aufgeben?

  • Welche Bedingungen müssten sich verändern, damit mein beruflicher Weg zu meinem Leben passt?

Die Frage nach Teilzeit oder Vollzeit kann sich daraus ergeben. Dazu findest du weitere Gedanken in meinem Artikel „Teilzeit oder Vollzeit als Mutter in Führung, warum es die eine richtige Antwort nicht gibt“.

Du darfst weiterhin viel wollen. Und du darfst genauer hinsehen, was du bereit bist, dafür zu geben.

Was bekommt in deinem Leben bewusst weniger Raum, damit deine Karriere und deine Familie so zusammenpassen, wie du es möchtest?

Wenn du gerade merkst, dass dir der Preis zu hoch wird und du für dich sortieren möchtest, was bleiben soll und was sich verändern muss: Buch dir gerne ein kostenloses Klarheitsgespräch.

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