Was 354 Mütter über Führung wissen - und warum kaum jemand danach fragt
Sie sitzt im Feedbackgespräch. Ihr Vorgesetzter sagt, sie solle sich erstmal wieder eingewöhnen, nicht in der ersten Reihe, die Linda braucht dringend jemanden der ihr zuarbeitet.
Vor der Elternzeit hat sie ein Team von zwölf Personen geführt. Budgetverantwortung gehabt, strategische Entscheidungen getroffen.
Was hat sich verändert?
Sie ist Mutter geworden.
Was eine Studie sichtbar macht, das kaum jemand benennt
Der Maternal Strengths Report 2026 von Mothered Media hat 354 berufstätige Mütter gefragt, wie sich ihre Führungskompetenzen durch die Mutterschaft verändert haben. Die Frauen wurden gebeten, sich selbst einzuschätzen, vor und nach der Mutterschaft.
Das Ergebnis ist eindeutig.
Zeitmanagement: +123 %
Energie gezielt einsetzen: +100 %
Verhandlungsführung: +83 %
Kommunikation: +60 %
Konfliktmanagement: +41 %
Resilienz: +19 %
Keine einzige gemessene Kompetenz ist gesunken. Nicht eine.
Und dann noch diese Zahl: 95 Prozent der befragten Mütter schätzen sich nach der Mutterschaft als hochkompetent im Priorisieren ein. Vorher waren es 28 Prozent.
Das ist kein gradueller Anstieg. Das ist ein fundamentaler Wandel in der Selbstwahrnehmung einer zentralen Führungskompetenz.
Die größten Zuwächse lagen nicht wo man sie erwartet
Wer an Mutterschaft denkt, denkt an Empathie, an Geduld und emotionale Wärme.
Das sind wertvolle Eigenschaften, für Führung essentiell. Der Report zeigt aber noch etwas anderes:
Die stärksten Zuwächse lagen im operativen Bereich. Im Zeitmanagement. In der Fähigkeit, Energie strategisch einzusetzen. In der Verhandlungsführung. In der Kommunikation unter Druck.
Das sind genau die Kompetenzen, die Organisationen gerade unter dem Begriff VUCA-Führung diskutieren. Führung in Unsicherheit. Entscheidungen treffen ohne vollständige Informationen. Klar bleiben wenn alles gleichzeitig drängt. Komplexität aushalten ohne handlungsunfähig zu werden.
Mütter trainieren das jeden Tag, wenn das Kind krank ist und der wichtige Termin trotzdem steht. Wenn zwei Bedürfnisse gleichzeitig da sind und sofort entschieden werden muss, wenn der Plan sich um 7:30 Uhr ändert und trotzdem irgendwie alles funktionieren soll.
Kein Leadership-Training repliziert diese Bedingungen so konsequent wie der Alltag mit einem Kind.
Warum das trotzdem nicht gesehen wird
Die Frage die mich beschäftigt, ist nicht ob diese Kompetenzen vorhanden sind.
Die Frage ist, warum sie so selten gesehen werden.
Ich arbeite mit Müttern in Führungspositionen, ich habe jahrelang in einer Branche gearbeitet mit 80% Frauenanteil, auch in Führung, niemand hat darüber gesprochen. Ich erlebe immer wieder, dass diese Frauen selbst nicht benennen können, was sie mitbringen. Niemand gibt ihnen den Rahmen es so zu sehen.
Mutterschaft wird im beruflichen Kontext überwiegend als Einschränkung verhandelt. Als Verfügbarkeitsproblem. Als Risiko für Kontinuität und Präsenz.
Selten als das, was sie laut Studie auch ist: ein intensives Entwicklungsprogramm für operative Führungskompetenzen.
Solange Unternehmen Führung über Anwesenheit definieren statt über Wirkung, werden diese Kompetenzen unsichtbar bleiben. Und Mütter werden weiter in Feedbackgesprächen sitzen und hören, sie sollen sich erstmal eingewöhnen.
Was ich daraus entwickelt habe
Genau deshalb habe ich das Motherhood Leadership Net entwickelt.
Es ist ein Reflexionstool das ich in meiner Arbeit mit Müttern in Führung einsetze. Es betrachtet acht Führungsdimensionen gleichzeitig in zwei Kontexten: im beruflichen Führungsalltag und in der Mutterschaft. Angelehnt an Studien zu Future Skills in Leadership, an Forschung zum Kompetenzgewinn durch Mutterschaft und an meine eigene Erfahrung aus mehr als 13 Jahren als Führungskraft.
Was dabei entsteht ist oft ein echter Perspektivwechsel. Nicht weil ich den Frauen sage, was sie können. Sondern weil sie es anhand ihrer eigenen Erfahrungen selbst sehen.
Das Motherhood Leadership Net ist als eigenständiges Angebot buchbar. Für Frauen die genau diesen Schritt machen wollen.
Für die die tiefer gehen möchten gibt es das Coaching-Programm „Mütter führen anders". Sieben Sessions in drei Phasen, in denen wir die innere Veränderung durch die Mutterschaft sortieren und in einen stimmigen, wirksamen Führungsstil übersetzen.
Quelle: Maternal Strengths Report 2026, Mothered Media, US-Studie, Selbsteinschätzung.