Homeoffice war ihre Lösung. Jetzt wird sie ihr weggenommen.

15:43 Uhr. Das Meeting läuft noch.

In 17 Minuten schließt die Kita.

Sie ist extra im Homeoffice, um schnell da zu sein. Sie hat sich das so eingerichtet, irgendwie. Flexibel. Beides hinbekommen, meistens.

Sie möchte eigentlich noch bleiben, den Faden zu Ende denken. Aber sie ist schon halb weg, zwei Welten und keine Pause dazwischen.

Remote war ihre Lösung für Vereinbarkeit, nicht perfekt, aber sie hat es funktioniert.

Und genau das wird jetzt zurückgebaut.

Mehr Präsenz. Als wäre das die Antwort.

Back to Office ist gerade überall. In großen Konzernen, in mittelständischen Unternehmen, in Organisationen die während der Pandemie gelernt haben, dass Arbeit auch anders geht, und jetzt trotzdem zurückrudern.

Die Begründungen klingen vertraut. Kultur. Zusammenhalt. Kreativität. Spontaner Austausch an der Kaffeemaschine.

Was dabei selten mitgedacht wird: Back to Office ist keine neutrale Entscheidung, sie trifft nicht alle gleich.

Für viele Mütter in Führungspositionen ist sie ein echtes Karriererisiko.

Care-Arbeit liegt nicht gleichmäßig verteilt

Das sind keine Meinungen. Das sind Zahlen.

In Deutschland übernehmen Frauen nach wie vor den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit. Kinderbetreuung, Arzttermine, Schulveranstaltungen, kranke Kinder, Kita-Schließzeiten, Ferienbetreuung. Und zunehmend auch die Pflege älterer Eltern, ein Thema das in der Vereinbarkeitsdebatte noch kaum vorkommt, aber immer drängender wird.

Homeoffice hat für viele Mütter nicht bedeutet, weniger zu arbeiten. Es hat bedeutet, die Übergänge kürzer zu machen. Den Weg zur Kita zu schaffen. Einen Kaffee, 5 Minuten durchatmen bevor der nächste Call beginnt. Anwesend zu sein, ohne überall gleichzeitig sein zu müssen.

Das war keine Bequemlichkeit. Das war ein System das sie sich mühsam aufgebaut haben.

Wenn dieses System wegfällt, fällt nicht einfach ein Benefit weg. Es fällt eine Grundlage weg.

Was das mit Führung macht

Ich erlebe das in meiner Arbeit mit Müttern in Führungspositionen immer wieder.

Frauen die vor der Elternzeit sichtbar waren. Die Verantwortung getragen haben, Entscheidungen getroffen, Teams geführt haben. Die zurückgekommen sind und gemerkt haben, dass sich etwas verschoben hat. Im Unternehmen und in sich selbst.

Und die jetzt an einem Punkt stehen, an dem eine neue Präsenzregelung bedeutet: entweder du passt dich an, oder du passt nicht mehr rein.

Das ist kein individuelles Problem. Es ist ein strukturelles.

Solange Entscheidungsträger, häufig männlich, häufig ohne die tägliche Erfahrung von Care-Arbeit, über Arbeitsmodelle entscheiden, werden sie diese Realität nicht ausreichend mitdenken. Nicht weil sie böswillig sind. Sondern weil sie sie schlicht nicht kennen.

Wer selbst nie in 17 Minuten von einem laufenden Meeting zur Kita gehetzt ist, denkt anders über Präsenz nach.

Was diese Frau trotzdem kann

Dabei macht genau diese Frau etwas, das die wenigsten können.

Sie switcht Rollen im Moment. Sie priorisiert unter Druck. Sie hat keine Zeit für Geplänkel und entscheidet in Sekunden. Sie hält Komplexität aus, jongliert Anforderungen und bleibt handlungsfähig, auch wenn nichts nach Plan läuft.

Das sind keine weichen Skills. Das ist operative Führung.

Mutterschaft trainiert genau das, was moderne Führung in einer VUCA-Welt fordert. Nur nennt es kaum jemand so. Oft sehen die Frauen selbst es nicht so.

Und dann kommt eine Präsenzregelung und plötzlich wird nicht gefragt, was sie leistet, sondern wo sie sitzt.

Wir schlagen gerade Rollen rückwärts

Es fühlt sich so an. nicht überall und nicht in jedem Unternehmen. Es gibt Organisationen die das anders machen, die flexible Modelle nicht als Ausnahme behandeln, sondern als selbstverständlichen Teil moderner Führungskultur.

Aber solange Back to Office als Antwort auf Fragen der Unternehmenskultur gilt, ohne die Frage der Care-Arbeit mitzudenken, werden immer dieselben Menschen die Konsequenzen tragen.

Ich begleite Mütter in Führung dabei, sich selbst so zu sehen wie sie sind. Nicht als jemand der Abstriche macht. Sondern als jemand der täglich mehr leistet als sichtbar wird.

Weil das der erste Schritt ist. Bevor irgendetwas nach außen sichtbar werden kann, muss es innen klar sein.

Wo erlebst du gerade, dass Präsenz höher bewertet wird als Wirkung?

Ich begleite Mütter in Führungspositionen dabei, die innere Veränderung durch Mutterschaft als Führungsstärke zu nutzen buche dir ein kostenloses Klarheitsgespräch, wenn du klarer und souveräner in Führung gehen möchtest und deine Karriere und deinen Weg selbst bestimmt gehen möchtest.

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Was 354 Mütter über Führung wissen - und warum kaum jemand danach fragt

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Ich bin Mama und Führungskraft und plötzlich fühlt sich beides schwieriger an